|
Albert Stauffer, geboren 17.07.1887 in Thun, gestorben am 27.04.1961 in Emmen
Am 17. Juli 1887 ist mein Großvater Albert als erster und schließlich einziger Sohn eines Schweizer Leutnants in Thun geboren. Ein Jahr nach der Geburt meines Großvaters kam sein Bruder Gottlieb Walter auf die Welt, der aber mit knapp drei Monaten starb. Somit blieb der ganze männliche und militärische Stolz auf meinem Großvater ruhen. Der heranwachsende Albert wollte nichts vom Militär wissen und noch weniger der ausgetretenen militärischen Laufbahn seines Vaters folgen. Am Abend vor seinem 14. Geburtstag, am Abend vor seinem Eintritt in den militärischen Vorunterricht, die der männlichen Jugend Gelegenheit verschaffte, sich im Turnen und Schiessen zu ertüchtigen, entschloss er sich, Kopf über Hals, das elterliche Haus zu verlassen und sich sein eigenes Abenteuer zu suchen. Die sommerliche Wärme, die milden Nächte und regenarmen Julitage halfen ihm in wenigen Wochen seinen Weg aus den Tälern des Berner Oberlandes und über die Alpen ans Meer zu finden. Vom kleinen Thunersee ans riesige Mittelmeer!
Zwei volle Jahre habe sich mein Großvater auf Frachtern verdingt und die Meere abgefahren. Keiner weiß genau, wo er überall war. Keiner weiß, nicht einmal er wusste, welche Häfen seine Schiffe angelaufen sind. Wenig durfte er als Küchenjunge an Land, aber in irgendeinem Hafen wurde es ihm dann zuviel und seine Abenteuerlust wollte neue Welten entdecken. Das Ziel seines Schiffes heisst Ägypten. Der orientalische Rummel konnte losgehen. Die Barken legen an. Es entsteht der altgewohnte Heidenlärm zwischen den Einheimischen, von denen jeder sein Boot zuerst an der Treppe haben will. Passagiere und Gepäck gleiten in die Gondeln. Es wird dem Brückensteg zugerudert. Bei unruhiger See kann dies nochmals zu einem kleinen Abenteuer werden. Auf dem Brückensteg angelangt musste für 1 Real ein Ticket gelöst werden, das am Ende des ungefähr 200 Meter langen Steges, also an Land, wieder abgenommen wurde. Das Gepäck wurde auf einem Rollwagen auf Schienen zum Ausgang transportiert. Die ankommenden Reisenden erreichen ein Mauergebäude mit dem marokkanischen Zollamt, welches unbehelligt passiert wird. Dahinter packt ein einheimischer Träger den ganzen Kram des Reisenden auf seinen Esel und klettert damit auf schlecht gepflasterten Wegen und zwischen Mauern zum Hotel in die Stadt hinauf. Erst in der Hotelhalle konnte er endlich wieder aufatmen. Die Hektik vergessen und die ruhe des arabischen Innenhofes mit seinem ruhig vor sich hin plätschernden Wasserbecken genießen. Die sich hinter dem Reisenden schließende Glastür ist wie ein Vorhang, der zwei Welten trennt und hinter der man sich von den ersten Eindrücken des farbenfrohen Geschehens, der unzähligen unbekannten Düften und des unverständlichen Geschreis erst mal bei einem Glas Whisky erholen kann.
|